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Akrobatik an tragbaren Tasten


Michael Rettig
Artist an den Tasten: Akkordeonmeister Michael Rettig

Es mischte ein Weltmeister mit, der auch mächtig Eindruck machte. Aber das Akkordeon-Orchester Rudersberg konnte bei seinem Herbstkonzert in der Gemeindehalle sehr gut mithalten. Veranstaltete Michael Rettig, der Harmonika-Champion, ein Festival der flinken Finger, so beeindruckten die Gastgeber mit Konzentration und Spielfreude.

Die Musik ist nun mal kein Sport, und ihre Meisterschaft bemisst sich nicht allein an Technik oder purem Können. Dennoch war's ganz schön mutig von den Rudersberger Akkordeon-Aktivisten, sich einen Weltmeister ihres Lieblingsinstruments in die Halle zu holen. Und Michael Rettig, mehrfacher Preisträger u. a. auch von Jugend musiziert, Deutscher Akkordeonmeister und zweimaliger Weltmeister auf der Steirischen Harmonika, brachte nach der Pause die 300 Gäste tatsächlich zum Staunen.

Abgefahrene Harmonika-Elektronik: Spiel in höchster Bandbreite

Was der an pfeilschneller Tasten- und Knopfakrobatik zeigte, ließ Kinnladen im Akkord runterklappen. Und es klang auch noch klasse, egal ob Barockmusik von Scarlatti und Bach, Folk wie „Scarborough Fair" (in einer eigenen Bearbeitung), Musette mit französischem Flair, Bar-Blues am Flügel, den dieser Tausendsassa ebenfalls perfekt beherrscht, oder abgefahrene Harmonika-Elektronik auf dem Roland-Akkordeon, der kleinsten Big Band der Welt, weil Rettig auf ihr alles imitieren kann, Bläser und Streicher, Pauken und Trompeten, E-Gitarren und Schlagzeug. Ganz so, wie es der Vereinsvorsitzende Klaus Millerferli eingangs versprochen hatte: Akkodeon-Artistik von höchster „Band-Breite". Da hat gewiss auch Hedy Stark-Fussnegger aus München mitgestaunt, Vizepräsidentin des Deutschen Harmonika-Verbandes und Ehrengast des Abends.
Bestens unterhalten gefühlt hat sie sich gewiss aber schon im ersten Konzertteil. Denn die Darbietung des Rudersberger Akkordeon-Orchesters erreichte ein Niveau. das zumindest in der Laienmusik seinesgleichen, sucht. Was wohl nicht zuletzt am Dirigenten Erwin Schuster liegt. Der Mann gibt sich leicht exzentrisch, kommt im grünen Hemd zum schwarzen Anzug mit Hut auf die Bühne, spricht in seiner locker coolen Moderation des Öfteren von „Seeex! " und Drugs und Rock'n'Roll und kommt beim Publikum damit durch, ganz einfach weil ihm die Liebe zur Musik und die Kompetenz, diese auf seine Musiker zu übertragen, aus allen Poren tropft.
Gleich das erste Stück, Arturo Marquez' latino-laszives „Danzon", ist ein Knaller: polyrhythmisch vertrackt und doch wie aus einem Guss swingend, mit vielen Klangfarben und ständiger Abwechslung, mit Mut sogar zu schiefen Tönen, zu Klangexperimenten, die das Orchester so selbstverständlich spielte, als sei's der übliche Standard - die reinste Akkordeon-Avantgarde, was die Rudersberger da boten. Allerdings nicht verkrampft ambitioniert, sondern mit spürbarer Spielfreude, mit Lust und Laune auf Klang und Rhythmus.
Sicher, dies ist nicht mehr das Akkorden-Orchester alter Schule, auch ein kompetenter Keyboarder macht mit und zwei sehr gute Percussionisten. Im „Rocky in Concert"-Medley (Schuster verglich sich vorab mit Silvester Stallone, der, wie er, nicht sehr groß sei!) übernahm das Keyboard sogar die Führung im Arrangement, so wie auch in der Zugabe „Music", wo man gelegentlich Celli zu hören meinte. Aber wer wollte schon die alles andere als puristische Handhabung von Instrumenten bemängeln, wenn ihm derart abwechslungsreiche und zündende Sounds geboten werden?. Und wenn, wie im „We will rock you"-Medley, die Musiker ihr Versprechen wahrmachen und den Saal zum Rocken - und zum Mitklatschen -bringen? Jedenfalls fiel der Jubel nach dem Auftritt des Orchesters ebenso lautstark aus wie nach der Darbietung des Weltmeisters. Vielleicht mit etwas weniger Staunen, aber mit ähnlicher Begeisterung.

Quelle: WKZ vom 19.11.2013

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Kontakt: staufen@akkordeonjugend.de